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Zum Tode von Prof. Gottfried Kiesow
Denkmalschutz mit ganzem Herzen



Am 7. November verstarb in Wiesbaden nach schwerer Krankheit Prof. Dr.
Dr.-Ing. h.c. Gottfried Kiesow im Alter von 80 Jahren. „Mit ihm“, so
Prof. Dr. Gerd Weiß, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen,
„ist nicht nur der Wegbereiter der Denkmalpflege in Hessen gestorben,
wir haben auch Deutschlands bekanntesten Denkmalpfleger verloren.“
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Gottfried Kiesow ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Denkmalpflege in Deutschland breite öffentliche Akzeptanz gefunden hat. Als faszinierender Redner verstand er es, alle Bevölkerungsschichten für das Anliegen der Denkmalpflege zu sensibilisieren. Dabei war Denkmalpflege für ihn eine grundsätzliche Haltung gegenüber der Geschichte und gegenüber dem Leben. Seine besondere Fähigkeit, andere mit seiner Begeisterung für die Idee des Denkmalschutzes anzustecken, wurde auch bei der Verleihung des Deutschen Nationalpreises 2011 hervorgehoben.
Wissenschaft war für Kiesow Vermittlungsarbeit, er wollte den Menschen für die Schönheit des kulturellen Erbes empfänglich machen. „Sehen lernen mit Gottfried Kiesow“ ist geradezu zum geflügelten Wort geworden.
Daneben war Kiesow ein großartiger Stratege, der es verstand, die Denkmalpflege im politischen Raum zu verankern. Während seiner Zeit als Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen (1966 bis 1996) rettete er zahlreiche Denkmäler vor dem Untergang. So verhinderte er den vorgesehenen Umbau des mittelalterlichen Rathauses in Gelnhausen und den Ausbau einer Bundesstraße, durch die in Herleshausen, im ehemaligen Grenzgebiet zur DDR, ganze historische Fachwerkviertel vom Abriss bedroht waren. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Amt zu einer starken Denkmalfachbehörde, deren Stellungnahmen nicht immer bequem, aber immer von dem uneingeschränkten Einsatz für das hessische Kulturerbe geprägt war. Dazu gehörte es auch, populäre Öffentlichkeitsarbeit zu initiieren. Hessen war das erste Bundesland, das sich an dem in Frankreich ins Leben gerufenen Tag des offenen Denkmals beteiligte.
Sein Engagement für die Denkmalpflege war nie allein mit seinem Amt verbunden. Angeregt durch positive Erfahrungen mit dem Denkmalschutz in England gründete Gottfried Kiesow 1985 zusammen mit Vertretern der deutschen Wirtschaft die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, deren Vorstandsvorsitzender er bis Ende 2010 war. Die Stiftung entwickelte sich zur größten Bürgerbewegung für den Denkmalschutz in Deutschland.
Das besondere Interesse Gottfried Kiesows galt der europäischen Stadt und ihrer Entwicklung. Im Rahmen des vom Bund aufgelegten Sonderprogramms „Städtebaulicher Denkmalschutz“ setzte Kiesow nach der Wiedervereinigung wichtige Akzente, als es um den Erhalt und den Umgang mit den vielen in ihrer Substanz gefährdeten Stadtkernen ging.
1994 wurde er Vorsitzender der Expertengruppe „Städtebaulicher Denkmalschutz“ beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Sein Verdienst ist es auch, dass nach 1990 Quedlinburg auf die UNESCO-Welterbe-Liste gelangte und in jüngster Zeit auch Wismar und Stralsund aufgenommen wurden. Quedlinburg, Stralsund und Wismar dankten es ihm mit der Ehrenbürgerschaft, einer Anerkennung, die ihm außerdem die Städte Görlitz, Zittau, Wiesbaden und die hessischen Gemeinden Morschen und Romrod zuerkannten. Bis zuletzt setzte Kiesow sich für Wiesbadens Aufnahme in die UNESCO-Welterbe-Liste ein.
Auch für die Bauten der Backsteingotik in Europa hat Gottfried Kiesow sich sein Leben lang eingesetzt und mit der „Straße der Backsteingotik“ für eine Vielzahl von Touristen erschlossen. Die Städte rund um die Ostsee mit ihren großartigen Kirchen, Stadttoren, Rathäusern und Bürgerbauten waren ihm seit seiner Kindheit vertraut. Ihrer Erhaltung und Vermittlung fühlte er sich in besonderem Maße verbunden.
Gerd Weiß |
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Donnerstag, 1. Dezember 2011/web767
Letzte Änderung: 23.01.12/web767
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